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Mein 76,7 Kilometer-Lauf rund um die Müritz am 20. August 2005

Eigentlich wollte ich NIE wieder einen Ultra laufen - eigentlich - eigentlich - eigentlich. Einer meiner Söhne: " in deinem Alter !!". Aber wer selbst Ultra-Läufer ist, der weiss, wie es irgendwann wieder anfängt zu jucken, die Strecke ruft !!!

Gut vorbereitet mit wöchentlichen Trainingsläufen um die 80 -90 Kilometer, dem Rostock-Marathon zwei Wochen davor, den ich sehr gut überstanden hatte, war es beschlossen: du läufst !! Es müssen ja nicht gleich 100 Kilometer sein, nee, 76,7 reichen auch, und da fand ich den Müritz-Lauf, ganz in unserer Nähe, rundum Deutschlands größten Binnensee, Natur pur, Nationalpark, viel Wasser, das kann nur gut sein ! Zudem gibt es auch noch einen 28,2 km Lauf, für meinen Mann genau das richtige.

Heike Pawzik, eine liebe Freundin der Ultra-Szene mit Läufen wie Marathon des Sables, Comrades, gerade erfolgreich vom Deuschland-Lauf zurückgekehrt, hatte mir angeboten, mit mir zusammen zu laufen. Super ! Schon in 2000 in Güstrow beim 12-Stunden-Lauf anlässlich der EXPO 2000 hatte ich mit ihr viel Spaß.Sie ist die Strecke hier an der Müritz schon dreimal gelaufen und kennt sich bestens aus.

Die Wettervorhersage: gewittrig, nicht mehr ganz soooooooooo warm, für uns Läufer vielversprechend.

Doch es sollte anders kommen: Start 8.00 Uhr im Hafen von Waren - wunderschöne Kulisse, überall Boote, die sich sehen lassen können, aber heute morgen für mich nicht wirklich von Interesse. Heike und ich stehen am Start, Rüdiger kommt mit dem Fahrrad mit, toll !! Betreuung mit dem Fahrrad , das hatte ich noch nie, und wie es sich später herausstellte - ein wahrer Segen.

Es geht los: 8.00Uhr , 49 Läuferinnen und Läufer gehen auf die lange Strecke, die Sonne lacht, noch angenehme Temperaturen, aber auch das sollte sich bald ändern.

Die ersten 30 Kilometer eher für mich ein wenig enttäuschend, wo ist das Wasser, wo ist der See ???Wald, Wiesen, Felder - und vor allem gnadenlose Sonne, wo immer wir lange, lange Teilstrecken " unten durch " mussten. Trinken, trinken !! Heike hatte die Flasche in der Hand, sie wandert von ihr zu mir, von mir zu ihr, und wenn sie leer war, Rüdiger war ja da, er füllte neuen "Saft " hinein, danke Rüdiger !! Leider gab es auf der ganzen Strecke nicht eine einzige Kilometerangabe, aber auch hier gab es Rüdiger mit seinem Fahrradcomputer.

Es läuft gut, die Sonne prallt auf uns, gut dass wir vorgebräunt sind, jetzt sehen wir auch hin und wieder ein wenig von dem wunderschönen See mit Segelbooten, ein kleines Windchen erleichtert ein wenig das Laufen in der Hitze. Keine Probleme , mein Puls liegt zwischen131 und 150, ich fühle mich gut, zwischendurch ein Stückchen Riegel, Rüdiger ist immer da, wenn man ihn braucht .

Marathon: 42,195 km errreicht, die Sonne, die Sonne, die Sonne !! Erbarmungslos brennt sie auf uns nieder, sie nimmt mir die Kräfte (das ausgerechent mir, da ich doch überhaupt keine Hitzeläuferin bin !!). Ein Tiefpunkt - und dann noch Steigungen 8 % , nee, wir gehen bis wir oben sind. Durst, Durst, Durst. Wasser hängt uns schon zum Halse raus, wir nehmen an den Versorgungsstellen jetzt Cola, ein Becher Wasser über den Kopf. Jetzt gibt es zahlreiche Verpflegungsstellen, alles nette, mit uns fühlende Betreuer, danke !!

Kilometer 50, nur noch 26 !! Heiss, Sonne, Durst, die erste Blase meldet sich, macht nix, geht vorbei, es gibt ganz schmale Wege, die Radfahrer drängen sich vorbei, die meisten mit ein paar netten Worten für uns. Auch die Staffelläufer - jeder ist mindestens mit einem Fahrrad begleitet - finden fast alle aufmunternde Worte für uns, und wir überholen Läufer, die ihren Tiefpunkt erreicht haben und nur noch gehen können, wir sparen uns unseren Atem .

Wie gut, wenn wir mal wieder den Schatten erreichen - im Wald laufen - herrlich, keine pralle Sonne, Schatten, relative Kühle, weiter !!

Kilometer 60, es geht mir wieder gut, mein Magen dagegen ???? Ein wenig fad, ich esse ein Stück Riegel, trinke Cola, bloß kein Wasser mehr !!

Kilometer 71 - ein großesSchild (das erste !!): 5 Kilometer . Jupiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii - was sind schon 5 Kilometer, aber sie sollten noch ganz lange werden, besonders - wie meist - der letzte Kilometer - wir laufen Hand in Hand happy im Ziel ein, dort steht Falk und fotografiert. Menschen applaudieren - geschafft !!! Wieder einmal geschafft !!

Stehenbleiben - mir ist ein wenig schwindlig - gleich auf die Massagebank - wie gut das tut !! Doch kaum liege ich, werden Heike und ich zur Siegerehrung gerufen, von der Massagebank in Socken und verschmierten Beinen auf das Podest: 4. und 5. Platz der Frauen. Wir gehen in die Turnhalle duschen - wie herrlich Duschen sein kann.

 

Dann essen wir im Kreise unserer Freunde einen Erbseneintopf mit Bockwurst - die Sinne und Kräfte kehren zurück.

Schön war es wie immer trotz aller Plagen - oder vielleicht gerade deswegen ?????????

76,7 Kilometer bei kontinuierlich 30 Grad Hitze, Puls ok, Kalorienverbrauch laut Pulsuhr 5.400, Zeit: 9 Stunden 18 Minuten, Platz 4 der Gesamtwertung Frauen, Platz 1 in meiner Altersklasse.

Nächstes Jahr am 19. August - ich glaube ohne mich - oder ???????????