Les 24 heures de Liège
Freitag, 15.09.2006, 19.00 Uhr - Samstag, 16.09.2006, 19.00 Uhr
Schon im letzten Jahr wuchs in mir stetig der Wunsch, ein einziges Mal an einem24-Stunden-Lauf teilzunehmen. Aber Wo ? Ich stöberte im Internet: Genau, da will ich hin: Liège(Belgien), meine " alte Heimat ", wo ich vor vielen Jahren als Au-pair-Mädchen eine herrliche Zeit bei einer fantastischen Famiie verbrachte, um dort meine Französich-Kenntnisse zu vervollkommnen. Heike Pawzik, meine liebe ultra-geeichte Lauffreundin, will mich begleiten, ich melde uns an, meine Familie freut sich auf ein Wiedersehen, alles ist vorbereitet.
Der Tag ist gekommen: 14. September 2006, wir fahren nach Liège. Bahnhof Liège, wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen, wir liegen uns in den Armen. Schön, wieder einmal hier zu sein. Wir werden königlich untergebracht und logieren wie im First-Class-Hotel, sie lesen uns jeden Wunsch von den Lippen ab: " Was möchtet ihr essen, trinken, tun ? ", kaum ausgesprochen, und jeder Wunsch ist schon erfüllt.
Freitag morgen: wir frühstücken, Streckenbesichtigung: Parc de Boverie, ein hübscher, gepflegter Park inmitten von Liège auf einer Art Halbinsel. Sie sind gerade dabei, das Zelt aufzubauen, herzliche Begrüßung der Deutschen , anschließend Streckenbesichtigung: Wir sind nicht ganz zufrieden: teilweise Schotter, unwegsame Passagen, zwei nicht zu verachtende Steigungen, die später wieder hinunter führen, Kieswege, Ecken und Kanten, Löcher im Asphalt, Vorsicht ist angesagt, eine Runde beträgt 1.521,5 m,Start: Versorgungs-und Zählstelle, der Park ist beleuchtet und bewacht.
Rückfahrt zu meiner Familie. Zeit zum Quatschen über vergangene Zeiten, Bilder ansehen, mittags Spaghetti mit Tomatensauce, dann Ruhe, ein kleines Nickerchen, 16.45 nochmals Nudeln, die Taschen sind gepackt, es kann losgehen.
Die Spannung steigt: Startnummern-Ausgabe, Heike, Nr. 2, ich Nr. 3. Es sind 10 Einzelläufer und 12 Staffeln angemeldet, wovon nur 7 Einzelläufer letztendlich starten , nur zwei Frauen und dann auch noch Deutsche, " Les Solos" haben ihren eigenen Versorgungstisch, ein Zelt zur Erholung ist bereitgestellt. 18:55 Uhr, Aufstellung, Countdown, 19.00 Start, es kann losgehen, was erwartet mich, wie werde ich diesen Lauf durchstehen, die Nacht, den ganzen Tag ?? Es ist sehr, sehr warm, die ganze Nacht über 20 Grad, die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Überall tummeln sich Menschen auf dem Rasen und feiern die laue Nacht, auf den Bänken sitzen knutschende Pärchen, die sich durch unser Läufer nicht stören lassen.
Die ersten 8 Stunden spule ich Runde für Runde ab, im Zelt ist Ramba-Zamba, man singt, man tanzt, man trinkt, die Musik ist tierisch laut, ich freue mich über jede gelaufene Runde, den Applaus, ich trinke Wasser, Coca- Cola, Wasser, es gibt Rosinen, Bananen, Apfelsinen, einen Würzkuchen, salziges Gebäck, rufe den Zählern immer wieder meine " 3 " zu, sie nicken und tragen die Runde ein. Am liebsten würde ich eine Runde tanzen, aber das lasse ich mal lieber.
" En avant "., Staffelläufer überholen uns mit 180 Sachen, nicht ohne uns Einzelläufer beim Überholen mit " bon courage ", " très bien " anzufeuern, echte Kumpel !! Gegen vier Uhr sind die letzten Nachteulen auch hier verschwunden, auch die Zähler werden müde, das Zelt leer, es ist 4:00 Uhr, 9 Stunden gelaufen, die Beine werden schwerer, so mancher Läufer hat sich aufs Ohr gelegt, nee, müde bin ich nicht, ich schwitze, es ist zu warm zum Laufen. Dann setze ich mich an der Versorgungsstelle, lege meine Beine auf eine Bananenkiste, kreise meine Schultern, ruhe mich ein wenig aus, stehe auf, raus aus dem Zelt, noch ein paar Schritte gehen und dann wieder anlaufen: Oh Mann, es ist hart, wieder in Trab zu kommen, Die Nacht ist ruhig, ich laufe und laufe und laufe, Heike überholt mich dann und wann, ein kurzes Gespräch, weiter !
Es ist dunkel - plötzlich liegt Heike vor mir auf dem Boden: " Mensch Heike, was machst du ?", " Ich bin gestürzt ." Sie ist an einer sehr kritischen Stelle gestolpert, direkt nach vorne gefallen, mit der Hüfte, dem Ellenbogen und dem Kinn hat sie die Erde touchiert, " ich habe meinen linken Arm gesucht ". Ein Staffelläufer und ich heben sie auf. " Kannst du laufen ? " " Ja ", sagt sie tapfer. Aber es sollte anders kommen. Nach ein paar Runden ging ich mit ihr zum Arzt, der sah sich ihren Arm genauer an, es geht kein Weg daran vorbei: Klinik, Röntgen ist angesagt, seine Diagnose: wahrscheinlich Riß im Knochen, was sich dann auch später bestätigen sollte.
Ich laufe weiter, 24 Stunden sind lang, ein Hahn kräht, der Morgen ist da, 6:45 der Tag beginnt, es wird hell, endlich, die Nacht ist vorbei, es ist immer noch zu warm. Wie soll es erst tagsüber werden ??? " Margitta, was können wir für dich tun ? ", ich werde bei den Versorgungsstellen so gut betreut wie noch nie. Eine Massage ?? Oh ja, das ist es. " Lauf noch eine Runde ", dann halten wir für dich die Massage frei ", ruft mir ein Betreuer zu. " Danke ", und ich schleppe mich in die nächste Runde, ich vermeide es zu gehen, stattdessen schlürfe ich mit meinem sparsamen Schritt in die nächste Runde. Endlich Massage, sie bringen mich in das Zelt, der Tisch ist hoch, das Hinlegen funktioniert noch, Schuhe aus, Hosen aus, erst auf dem Bauch, meine erste Erholungspause, ich schließe die Augen, Sophie, die - wie sie mir erzählt - im April Mutter wird, ist eine ganz Liebe und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, eine sehr sanfte, vorsichtige Massage. Bernard stellt mir eine Cola und ein Stück Banane hin, ohne dass ich nur ein Wort gesagt hätte. Danke ! So eine freundliche, liebevolle Atmosphäre hatte ich noch bei keinem Wettkampf in meiner ganzen Laufzeit.
Und siehe da, die Beine laufen viel besser als zuvor, es geht weiter, Runde für Runde ich, wechsle die Klamotten, geht gut ohne Hlfe - und weiter, was soll ich nur trinken, es hängt mir alles zum Halse raus. Das Zelt hat sich wieder gefüllt, schon vonweitem höre ich meinen Namen, alles applaudiert, die Runde ist gezählt.
100 km sind geschafft, uff, ich bin happy !! Eine kleine Pause, ich esse eine Apfelsine, lecker und erfrischend. " Was kann ich dir Gutes tun ? ", eine der Frauen. " Danke, ich habe alles ". " Vielleicht einen Kaffee ? ". Kaffee, ja, das ist es ! Sie bringt mir einen Kaffee, die Augen werden müde, die Beine sind es längst, der Kaffee tut gut. " En avant ". Und jetzt wieder anlaufen " ca fait mal ", aber ich wollte es ja nicht anders, bin immer wieder überrascht, dass ich nicht den Wunsch habe, mich hinzulegen, jetzt rasen auch die Staffelläufer nicht mehr in dem Tempo an mir vorbei, auch sie sind nicht mehr ganz frisch.
Leben im Park, Sonne, Sonne, Sonne, warm, warm , warm, überall sitzen Alte, Junge auf den Bänken, Hunde, wohin das Auge sieht, sie haben kein Interesse an Läuferbeinen, gottlob !! Weiter !!
Heike kommt nach 3 Stunden aus der Klinik, der Arm ist in einer Schlaufe stillgelegt, die Diagnose von Christian ist bestätigt, , aber das bringt doch Heike nicht aus der Fassung. Laufen darf sie nicht,aber gegen Gehen ist nicht einzuwenden, und schon ist sie wieder auf der Piste, die blauen Flecken an Arm, Hüfte und Bein erweisen sich nun bei Licht als schön bunt, ich umarme sie - und weiter.
Ich gönne mir noch eine Massage, der Massage-Tisch ist besetzt, ich lege mich auf den Rasen, erstaunlicherweise komme ich noch ohne Hlfe runter und später auch wieder hoch, ich gönne mir eine lange Auszeit, Sophie massiert unermüdlich meine Beine, zieht mir die Strümpfe aus- und siehe da: eine Riesenblase zwischen dem großen und dem zweiten Zeh, habe ich gar nicht gemerkt ". Schon steht der "docteur " an meiner Seite, sticht sie auf, compeeded sie, Sophie " streichelt" meine Füße, eine Wohltat.
Die letzten Runden, ich kann nicht mehr laufen, Heike und ich drehen gehend die letzten Runden und werden dann vom tobenden Publikum mit rasendem Applaus nach der letzten Runde empfangen. 23 Stunden 59 Minuten - over- vorbei - fini -geschafft - welche ein Glück !!
Die letzten Solos und Staffelläufer treffen ein, die Stimmung ist gewaltig, alles tobt, das Zelt vibriert.
127,81 Kilometer ! Drei Marathons !!!!! Meine Familie nimmt mich freudig in die Arme- ich bin glücklich !
Siegerehrung: 7 Solos durchgelaufen, einer ausgeschieden, Sieger: 202Kilometer, Zweiter176 Kilometer, Heike trotz Verletzung und dreistündiger Abwesenheit 140 Kilometer, meine 127,81 und ein Franzose mit 118, ein weiterer mit 114,11, der letzte Solo-Läufer mit 60,86 Kilometern. Alle glücklich und stolz. Noch ein Gruppenbild, Verabschiedung von neuen Freunden, Fahrt in die bereits vorbereitete Badewanne, ein herrliches Gefühl !! Noch eine kleine Mahlzeit, dann ruft das Bett, die Treppen nach oben fallen mir schwer, die Augen kann ich kaum noch offen halten, ich liege schon und muss mich morgens wecken lassen, um den Zug nach Hause nicht zu verpassen.
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Fazit: Ein tolles Erlebnis, schwierige Strecke, zu warm, einmalige, freundschaftliche Atmosphäre.
Körper: leichte muskuläre Probleme, Müdigkeit, Hunger, Durst.
Danke meiner Familie, Nadine und Georges, danke allen neu hinzu gewonnenen belgischen Freunden - vive la Belgique et les Belges !!! Dank vor allem aber an dich, Heike, schön, dass es dich gibt !!






