laufspuren.de » Deutsche DUV-Meisterschaft 24-Stundenlauf
ultra ist gut

Vor dem Start


In Stadtoldendorf

- Wo ist das denn ?
- Genau, das fragte ich mich auch.
- Im Weserbergland, wo ist das denn ?
- Autobahn Hamburg, Richtung Hannover,
- und dann in die Prärie
- Ith überqueren (Kreuzworträtsel)

- Ankunft
- Ort des Geschehens
- Stadion Stadt Oldendorf
- mit 2ooo m Rundlauf drum herum
- Insgesamt ca. 2.400 m

- Start: 20.06.2009, 13.30 Uhr
- Ziel : 21.o6.2009, 13.30 Uhr
- Wetter: Nichts Gutes
- Wolken
- leichter Regen
- Wolkenbrüche
- ein paar Sonnenstrahlen
- Temperatur tagsüber ca. 17 Grad
- Nachts: sehr kühl

- Bekannte Gesichter
- Spannung
- Startschuss
- ab geht die Post

 

Füße gut verpacken

Vorher das obligatorische Verpacken meiner Füße, um jeder Blase, jedem Reiben erfolgreich aus dem Wege zu gehen.

 

Sehr steil abwärts - Katastrophe

Eine in nicht nur meinen Augen recht schwer zu laufende Strecke erwartet uns: rund um das Stadion, stetig bergauf an der Peripherie des Ortes. Oben angekommen Feldweg mit Schotter, auf der anderen Seite wieder hinunter über Notbrücke, weiter über eine gesperrte, sehr gut zu laufende Asphalt-Straße, ins Stadion zurück, über den wohl für alle Läufer unangenehmsten Teil, ein steil abgehender Asphaltweg, der die Gelenke des Läufers zum berechtigten Rebellieren veranlasst. Wieder im Stadion - Ziel-und Startbereich - Zählung per elektronischem Zeitmesser, den wir Läufer am Fuß befestigen.

Außer uns ein mächtiges Spektakel von 24-Stunden-Läufer-Staffeln, Kinder, Schüler, Erwachsene, die allerdings ihr Unwesen nur im Stadion selbst treiben. Zuschauer, Zelte, rundherum aufgebaut, fetzige Musik bis 22.00 Uhr .

Wie in jedem Jahr nisten wir uns bei den Dilledöppche, Ilona, Elke und der Mutter der Nation,Elisabeth (danke an dieser Stelle nochmals für deine liebevolle Unterstützung !). Mein bester Freund und Ehemann steht mir wie immer Runde für Runde treu und sehr hilfreich zur Seite, unterstützt und motiviert mich, wenn es nötig ist.

Die ersten Stunden gehen flockig vorüber, immer wieder - sogar relativ früh - Einbrüche, die so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind.

Schwer die Strecke, im Kopf die sich immer noch anfangs bei jedem Lauf wiederholende Frage: " Warum tust du so etwas ?", ich verdränge solche Gedanken und denke an meine Freundin Heike, die über 4.000 Kilometer gelaufen ist, da werde ich doch läppische 24 Stunden am Stück schaffen, das wäre doch gelacht und ziehe mich selbst daran hoch.

Nach 100 Kilometern wieder Übelkeit, wie im letzten Jahr. Pause, ich lege mich auf unsere Liege, werde liebevoll zugedeckt, trinke einen Cappuccino,

 

esse einen Fruchtjoghurt, nach ca. 15 Minuten erhebe ich mich - und ich bin wie neu geboren.

 

24 Stunden-Lauf Ende

Die nächsten 10 Kilometer laufe ich wie ein Wiesel, unglaublich mit 100 Kilometer in den Beinen, es läuft, wie es nicht besser laufen könnte und sammle dabei mächtig Kilometer.

Ich liebe es, in der stillen Nacht zu laufen. Bis ca. 3.00 Uhr bevölkern außer den Helfern, Aktiven und Betreuern noch ein paar angetrunkene Nicht-Sportler die Szene,die dann gottlob von einem eigens angehorteten Security-Service mit Hund, in ihre Grenzen verwiesen werden.

Dunkelheit, Ruhe, keiner spricht, jeder ist mit sich selbst beschäftigt, immer wieder schnelle, mich überholende Läuferinnen und Läufer, dann wieder Ruhe.

Der Tag erwacht und kündigt sich mit knallrotem Himmel an. " Das bedeutet nichts Gutes ", ruft einer der Läufer. Wie Recht er hat ! Der Himmel wird schwarz wie die Nacht, und in sekundenschnelle schüttet Petrus prasselnden, sehr starken Regen auf uns hinunter: Mein Wetter, ich laufe unbeschwert, locker und geradezu heiter - sogar ohne Regenjacke - und genieße den frischen Duft des kühlen Nasses, das mich inspiriert - wie gewohnt . Wer kann so etwas verstehen ?

Volker, Nachbarn unseres Standortes, Leser meines Blogs ruft mir zu " dein Wetter ", wie Recht er hat.

Die Kilometer sammeln sich, nie hätte ich erwartet, heute so weit zu kommen, auch das beflügelt mich immmer wieder und veranlasst mich, auch wenn es zeitweilig sehr schwer ist, nach ein paar Schritten des Gehens wieder anzulaufen, es geht, es geht, Halleluja, noch eine Runde und noch eine.

Die letzte Runde wird eingeläutet, jeder Läufer erhält ein Holzstöckchen, auf dem seine Startnummer aufgeklebt ist. Wenn die Sirene erklingt, Stöckchen fallen lassen, Ende, aus - Schluss.

Mit der laut tönenden Sirene schießen die ebenso obligatorischen Tränen in die Augen, Schluchzen, Tränen der Freude.

E s i s t v o l l b r a c h t !

 

Siegerehrung:
Harry Arndt, Gründer der DUV und mir sehr am Herzen liegender Ehrenpräsident, übernimmt die Siegerehrung, ich freue mich.

- gelaufene Kilometer 147,4258

- 50. Platz von 115 Läuferinnen und Läufern insgesamt

- 1. Platz Altersklasse
- 12. Platz von insgesamt 24 bei den Damen

- Deutsche Seniorenmeisterin der DUV Altersklasse

- persönliche Bestzeit

- Je oller, desto doller

- Kommentar einer meiner Söhne !

 

Dazu noch zwei Medaillen, die linke für alle, die rechte für meine Platzierung.

 

Glücklich, kaputt verabschiede ich mich von alten und von neuen lieb gewonnenen Mitläufern, dusche ausgiebig, knabbere im Bett an einer leckeren Pizza (Fett braucht die Frau, ist gierig danach !) und schließe selig um 17.45 Uhr die Augen, um bis morgens um 7.30 Uhr zu ruhen.

Ein unruhiger Schlaf, das linke Bein schmerzt, zieht, pocht, weiß nicht, wie ich mich hinlegen soll, trinke, wache auf, schlafe ein, wälze mich im Bett, nehme eine Aspirin, schlafe wieder ein.

Frühstück: Fett lacht mich an, ich esse geräucherte Forellenfilets - zum Frühstück - (nicht zu fassen !), 3 Brötchen, trinke wie ein Weltmeister, schleppe mich die Treppen Schritt für Schritt hinunter und wieder hinaus.

Wir fahren nach Hause 4 Stunden Fahrt, Autobahn frei, alles gut - non stop.

Ankunft zu Hause, Autotür auf - steige aus wie eine einhundert-jährige, kranke, behinderte Frau, nach den ersten Schritten jedoch kehren die Sinne wieder langsam zurück.

Alles gut, bin rundum zufrieden, nur laufen werde ich die nächsten Stunden wohl kaum.

Doch eines ist sicher, lang kann dieser Zustand bei mir nicht andauern,

denn

ULTRA IST GUT