laufspuren.de » 4. Nord-Ostsee-Kanal-Lauf 108 Kilometer
ultra ist gut

Start

Wir fahren nach Kiel.

Heike und ich zum 4. Nord-Ostsee-Kanal-Lauf, dem härtesten Ultra-Lauf Norddeutschlands.

Freitag Nachmittag, wir erreichen unser Quartier, es ist sehr warm und lässt mich Schlimmstes für morgen befürchten.

Samstag morgen:Fünf Uhr aufstehen, frühstücken, packen, Fahrt zum Tiessenkai. Stattliche Segelboote liegen am Kai.

Erste Läufer schälen sich müde aus ihren Fahrzeugen - wir auch. Ein Transparent zeigt uns den Weg zum Start. Begrüßung - Heike kennt fast jeden, ich nicht, aber das sollte sich im Lauf des langen Weges schnell ändern.

 

Karl-Heinz Jost, Organisator und selbst erfahrener Ultra-Läufer, begrüßt uns herzlich zu diesem geführten Gruppenlauf, ohne Wettkampf-Charakter, es wird im Gruppen-Tempo gelaufen.

Wir streifen unsere " Hunde-Marke " über, Luft-Ballon mit angehefteten Karten der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) werden auf die Reise geschickt zur Erinnerung derer, denen es leider nicht mehr möglich ist, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Es geht loooooooooooooos !

15 Läufer gehen an den Start, darunter 5 Frauen.

7.00 Uhr, der Himmel ist bewölkt, die Sonne hält sich (noch) versteckt, und schon bald erreichen wir den Nord-Ostee-Kanal http://de.wikipedia.org/wiki/Nord-Ostsee-Kanal . Da liegt er nun vor uns, breit und unendlich lang. Wir laufen auf dem Fahrrad weg. Links Platten, rechts Platten, dazwischen Gras im Gänsemarsch voran !

Es wird gequasselt, was es das Zeug hält, die Temperaturen sind noch angenehm,der Schritt ist gleichmäßig, das Tempo ruhig und angenehm.

 

Im Gänseschritt

Riesige Schiffe, haushoch und größer, teilweise mit unzähligen Containern voll beladen, begleiten uns immer wieder - ein fantastisches Schauspiel - in einer überraschend schnellen Geschwindigkeit.

Es ist 10.00 Uhr, die Sonne lugt noch vorsichtig aus den Wolken hervor, kannst uns ruhig noch ein wenig verschonen, warme und feuchte Luft begleitet uns. Aber sie lässt jetzt ihren Strahlen freien Lauf und sticht erbarmungslos auf uns nieder.

Heiß ersehnt und begehrt: die Versorgungsstellen, immer an Fähren und Schwimmpanzer-Passagen postiert, trinken, trinken, trinken, und das aus meinem eigene Becherchen ! Bunte, mit unseren Namen beschriftete Plastik-Becher warten darauf, mit erfrischendem Nass gefüllt zu werden. Es wird alles geboten, was das Läufer-Herz begehrt. Unermüdlich und stets mit Applaus empfangen werden wir von unseren sehr hilfreichen Versorgern bestens betreut.

Es geht weiter, am Ufer des Kanals, unzählige Angler, unter Schirmen geschützt, Fahrradfahrer, die uns mit freunlichem " moin " empfangen, alle gut drauf, da soll einer mal sagen,die Norddeutschen sind steif !!!

Eine ganz neue Erfahrung für mich. Gruppenlauf - wir laufen immer im Gruppentempo, Thorsten, Zug- und Bremsläufer voran, die restliche Meute in kurzem Abstand hinterher. Immer wieder ein Blick nach hinten, sind alle da ? Ja, - weiter, nein - unser Schritt verlangsamt sich, wir gehen, hat uns der zurück gebliebene Läufer wieder erreicht, laufen wir gemeinsam weiter.

 

Verlaufen

Es wird heiß und heißer, die Sonne brennt auf den Armen, den Oberschenkel, im Gesicht, die Teilstrecken ohne Verpflegung werden angekündigt, ich fülle meine Flasche, nässe meinen Kopf.

Die Gruppe bleibt stehen - falsch gelaufen - nee, ne !

Ja, Kommando zurück, dort steht Arwed und weist uns den richtigen Weg auf unwegsamen Pfaden, über Wurzeln wieder langsam hinab zum Kanal.



 

Da liegt er wieder vor uns der Kanal, unendlich lang, mein Blick nach unten, es ist demotivierend, kein Ende zu sehen. Hin und wieder wage ich einen Blick nach vorne, sehe von weitem die nächste Fähre mit dem heiß ersehnten Versorgungsstand, die Gruppe wird ruhiger, es ist sehr anstrengend unter dieser sengenden Hitze zu laufen.

 

Nach 43 Kilometern erreichen wir Rendsburg - Verkehr, Gestank, Menschen.

Der Weg führt uns auf einen großen Platz. Dort Transparente, Luftballons, Menschen. Hier werden wir von der Vorsitzenden der DMSG und vielen Rollstuhl-Fahrern freundlich begrüßt, es wird getrunken, die Flaschen werden gefüllt, ich setze meine Mütze auf, gieße eine ordentliche Portion Waser auf mein Haupt, um mich besser vor den inzwischen auf ca. 28 Grad gestiegenen Temperaturen zu schützen. Es ist schwül, heiß, für mich der Horror schlechthin. Aber die Füße tragen uns weiter.

Zurück zum Kanal im gleichmäßig schlürfendem Tempo.

Heiß, heiß heiß, Durst, Durst, Durst.

 

Ich trinke nur noch Cola, kühl, erfrischend süß, esse immer weniger, benässe meinen Kopf und ziehe weiter. Danke für die Super Betreuung, man lernt sich immer mehr kennen und freut sich auf ein Wiedersehen.

Die Hälfte ist geschafft, immer geradeaus weiter, keine Ende am Horizont, Hitze, Schwüle, Durst, die Flaschen auf längeren Etappen stets bis oben gefüllt, ich rede nicht mehr, die Beine meinen es gut mit mir.

Plötzlich und unerwartet zwischen Kilometer 75 und 80 noch das, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben. Der vorher fein säuberlich mit Platten ausgelegte Weg offenbart sich als eine einzige Baustelle - Sand- Geröll - unwegbar. Laufen unmöglich. Schon das Gehen alleine strengt wegen der vielen Auf- und Abs, Löcher, Wurzeln, Vorsicht ist angesagt - Umknicken vorprogrammiert. Kilometerlang schleppen wir uns durch dieses unerwartete Chaos. Aber auch das hat irgendwann ein Ende, und wir setzen unseren Trab zufrieden weiter.

Flasche in der Hand, Wasser auf Kopf, Arme, trinken, weiter.

Versorgungsstelle, man bereitet uns schon darauf vor: beim nächsten Mal heißt es 90 Treppen zum nächsten Punkt werden an einer Brücke zu erklimmen sein, auch das noch ! Wir steigen mühsam hinauf, mein Magen fängt an zu rebellieren, es geht ihm nicht gut, ich kann nichts zu mir nehmen, dann 90 Treppen hinunter, die Beine freuen sich !!!!

Bei Kilometer 91 ist es mir speiübel, der Gedanke an Trinken, Essen läßt mich Erschaudern, es geht mir schlecht, ich friere , flöße mir Magentropfen ein, ruhe mich aus, um dann mit meinen Leid-Genossen endlich im Ziel in Brunsbüttel vom Bürgermeister des Ortes und von einer Handvoll Menschen empfangen zu werden.

Es gibt Freibier, ein paar Mal daran genippt, und es schmeckt !

Müde und abgeschlagen lassen wir uns von der tollen Begleitungsgruppe,

ein herzliches Dankeschön noch einmal an dieser Stelle für die Super, Super, Super- Betreuung auf der ganzen Strecke

in die Turnhalle fahren.

Eine herrlich erfrischende Dusche, die mich wieder zum Leben erweckt, frische Klamotten, saubere Haare, alles ist gut.


 

Jeder ist Sieger, jeder erhält einen Pokal und eine Rose aus der Hand von Karl-Heinz und Arwed, alle sind glücklich, müde, abgekämpft.

Anne, die unermüdliche und fleißigste Helfern auf dieser Welt, schmiert liebevoll Brote, und ich lange verhalten zu.

Matten und Schlafsäcke raus, ein ruhiges Plätzchen gesucht, hingelegt, Augen zu, heißer Kopf, pochendes Herz, es dauert, bis ich in den Schlaf finde.

Die Nacht ist lang, unruhig drehe ich mich immer wieder von der einen auf die andere Seite. Um 7: 00 kriecht einer nach dem anderen so gut er kann aus seinem Schlafsack, Leben in der Halle.

Kaffee, Brote, packen, verabschieden, bedanken, Auto auf, Läufer rein,Tür zu, ab nach Kiel.

Dort erwartet uns Heikes Auto.

Nochmals Abschied, wir fahren nach Hause.

Und was sagen die Glieder ?

Naja, schwierig aus der Bodenlage wieder nach Stunden in die Senkrechte zu gelangen, die ersten Schritte ein wenig befremdend, aber nach kurzer Zeit fast wieder normal.

Ein schöner, schwerer Lauf, eine neue Erfahrung, in der Gruppe zu laufen.

Dennoch bevorzuge ich das Laufen, bei dem ich mein eigenes Tempo jederzeit selbst bestimmen kann und nicht aus meinem persönlichen Rhythmus geworfen werde.

Auch hier hatte ich wieder Gelegenheit, viele nette, liebenswerte, interessante, hilfsbereite, sympathische Menschen kennen zu lernen.

Alleine das ist es Wert, an solchen mit viel Liebe und Aufwand gestalteten Veranstaltungen teilzunehmen, die zudem auch noch dem guten Zweck dienen.