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So fing es an

1979 gab es eine allgemeine Laufwelle, natürlich aus Amerika. Jeder wollte plötzlich laufen. Trimm Trab nannte sich damals diese Welle, ABER - wie so oft - bröckelte auch dieser Boom langsam ab, und ein kleiner Haufen Lauffreudiger blieb dann noch übrig, darunter ich.

Mühsam waren alle Anfänge, ich erinnere mich: nach den ersten vier gelaufenen Kilometern musste ich noch 5 Stockwerke bis zu meiner Wohnung erklimmen, um dann fix und foxi den Abend auf der Couch zu verbringen, doch bald wusste ich: das ist es, was du schon immer wolltest BEWEGUNG IN FREIER NATUR. So lief ich meinen ersten 10-Kilometer-Lauf, hoch motiviert, fertig, aber glücklich in 59 Minuten, steigerte den Trainingsumfang, lief einen Halbmarathon und als Höhepunkt in 1986 meinen ersten Marathon in München, gut vorbereitet kam ich in 3 Stunden 55 Minuten heulend im Ziel an.

Welch ein Glücksgefühl !!! (meine Marathon-Bestzeit: 3:18 Stunden).

So schloss ich mich einer Laufgruppe in Frankenthal an, Begeisterung pur für das Laufen. Man lief schon damals in 1985 100 Kilometer in Biel. " Einmal musst du nach Biel", wie ein Buchtitel heisst. " Mensch, Margitta, das ist auch etwas für dich," sagte mein Lauffreund Jakob Kapper, dessen Augen strahlten, wann immer er vom Laufen sprach. 100 Kilometer???? Nee, das kann ja nur was für Bekloppte sein, oder????? Und irgendwann im Jahre 1988 war ich dann auch so eine derer, die wohl nicht ganz dicht sein müssen! Ich stand am Start im Juni 1988 in Biel (Schweiz), mit uns ca. 1000 andere Läufer, Wanderer, Soldaten in Uniform und Marschgepäck. Punkt 22.00 Uhr der Startschuss, Schwüle, drückend, und mit dem Startschuss der erste Blitz und Donner. Die ganze Nacht bergauf, bergab, es war so dunkel, dass man seine Hand teilweise nicht vor Augen sehen konnte, es goss in Strömen, blitzte, donnerte, man watete nur noch durch tiefe Bäche, Dreck, Feldwege waren zu Bächen geworden. Ich dachte: " es ist Krieg, der Feind ist hinter dir, weiter !! ", und ausserdem kamen mir Leute aus Frankenthal in den Sinn, die zu Hause nur darauf warteten, dass ich diese Herausforderung nicht bestehe und darum VORWÄRTS, ich hätte alles getan, wäre auch noch auf allen Vieren gekrabbelt, wenn es nun hätte sein müssen.

Nach 11 Stunden und 16 Minuten kam ich dann geschafft, verschmutzt, mit aufgeweichten Füßen, aber glücklich im Ziel an. Uff - geschafft ! " Nie wieder ", sagte ich mir. Denkste, im nächsten Jahr stand ich schon wieder auf der Piste, dieses Mal bei der Deutschen Meisterschaft 100 Kilometer, und es ging schon viel leichter, ich lief in 9.:52 (!!!) im Ziel ein, happy, und zu unserer großen Überraschung hatten wir noch den dritten Platz (Bronzemedaille) Mannschaft geholt, wofür wir noch von der Stadt Frankenthal mit der Stadtsportplakette für hervorragende sportliche Leistungen geehrt wurden. Wenn das kein Ansporn war !!!!

Tja, und so ging es weiter und weiter, ich war gefangen von der Lauflust, lief jahrelang bei den Deutschen Meisterschaften 100 Kilometer, die Krönung in 1994 Bronzemedaille in meiner Altersklasse(meine Zeit 9:22 Stunden), das machte mich sehr stolz. Im Jahr darauf wurde ich von den Bürgern der Stadt Frankenthal zur Sportlerin des Jahres gekürt, ein weiterer Erfolg. Die Verleihung der 30-Besten-Nadel vom DLV zwei Jahre infolge war noch ein Höhepunkt in meinem Läuferleben.

Und so laufe ich fast täglich hier am Meer in schönster Gegend und gönne mir auch hin und wieder einen besonderen Marathon, wie im letzten Jahr den Frankfurt-Marathon, eine Bombenstimmung auf der Strecke, beste Organisation, und als Lohn für die Anstrengungen ein sensationeller Einlauf in die Frankfurter Messehalle auf rotem Teppich und unter dem tobenden Applaus tausender Menschen.



 

Noch einmal wissen wollte ich es in 2000. 12-Stunden-Lauf Güstrow anlässlich der Expo in Hannover das reizte mich doch sehr, und ich habe mich noch einmal auf die Socken gemacht. Von 12 bis 12, dann wollte ich mich eigentlich von der Ultraszene verabschieden (Foto Güstrow beim 12-Stundenlauf Massage).

Aber wie so oft kommt es eben anders, und so lief ich in 2005 den knapp 77-km-Lauf rund um die Müritz, habe wieder Feuer gefangen, um in diesem Jahr eine noch größere Herausforderung anzunehmen:

Den 24-Stunden-Lauf - hätte ich selbst N I E, N I E , N I E für möglich gehalten, aber ich tue es.

Mittlerweile habe ich mich in 2006 in Lüttich und in 2007 in Scharnebeck, 2008 in Berlin und 2009 in Stadtoldendorf an dieses Abenteuer gewagt, und ich sage Euch, es ist wahrlich hart.