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Aus gegebenem Anlass weise ich ausdrücklich darauf hin, dass alles, was ich schreibe, im Zusammenhang mit persönlichen Erfahrungen steht. Es liegt mir fern, andere Läuferinnen oder Läufer in irgendeiner Weise zu kritisieren:

Laufen und laufen lassen !!

Blättere ich in Lauf-Foren herum, fällt mir immer wieder ins Auge, wie viele Läuferinnen und Läufer zu Sklaven ihres Trainings-Planes mutieren, um ihre selbst gesteckten Ziele wenigstens in diesem Jahr nun endlich zu erreichen, wenn es schon im letzten nicht so richtig geklappt hat: Verletzungen, Krankheit, Mangel an Training, Arbeit, Familie.

Montags diese Einheit, dienstags jene, mittwochs Pause, donnerstags eine schnelle, freitags eine lange, samstags wieder Pause und sonntags ruft der Wettkampf.

Ob Du Lust hast oder nicht, danach fragt der Ehrgeiz nicht, ” ich will ” heißt die Devise, und der vorgelegte, wissenschaftlich ausgearbeitete Trainings-Plan von Meister X (der muss es ja wissen!) wird auf Biegen und Brechen konsequent durchgezogen, egal, ob es mir gut oder schlecht geht, ob mein Fuß aufmuckt oder nicht, Plan ist Plan, der Weg ist das Ziel, jawoll !!

Sonntags Wettkampf-Tag.

Jetzt oder nie, ich will es wissen. 10-Kilometer sagt der Trainings-Plan. Ich stehe in erster Reihe an der Start-Linie ( mit erlernter Ellenbogen-Taktik kann ich mir mühsam einen sicheren Platz ergattern !) in leicht gebückter Haltung, nur keinen Meter verschenken, die Hand an der Uhr, scharre mit den Füßen, wie ein wild gewordener Stier, höre den Startschuss , ein Klick auf meine Uhr und renne los.

Und renne und renne und renne, um mich herum Gestöhne, lautes Hecheln, da spuckt mir einer direkt vor die Füße, das Schwein, überholt mich auch noch, mein Blick auf die Uhr: ” Ich bin in der Zeit”, Kilometer-Schnitt erreicht, weiter so, mir ziept es in der Wade, nur nicht langsamer werden, ich schaffe das, die Hälfte habe ich hinter mir, jetzt muss ich anziehen, Kilometer-Schnitt erhöhen, schneller, ich japse nach Luft, ignorieren, Schritte länger, Arme nutzen, vorwärts.

Noch 2 Kilometer - ich kann nicht mehr- bin langsamer geworden, verdammt, ich will ! Da kommt doch noch so einer ( meine Altersklasse ?) überholt mich locker vom Hocker, ( was hat der für einen Plan, den will ich auch !), menno, ich sehe das Ziel, meine Wade tut weh, mir ist schlecht, Endspurt, Druck auf die Uhr, Scheiße: 1 Minute zu langsam.

Da hilft nur eins: quäle Dich, Du Sau, ich muss mich härter ran nehmen, mehr trainieren, nach besseren Plänen Ausschau halten. Ich will schneller werden, ich kann schneller werden.

Auch ich war, beeinflusst von lieben Mitmenschen, auf diesem Trip: schneller, immer schneller, Bestzeiten, Gloria, Viktoria !

Mein Schlüssel-Erlebnis: 10-Kilomter-Lauf, ich lief wie eine Gejagte am Limit im Ziel ein, es war mir speiübel, Schwindel überkam mich, gottlob erholte ich mich schnell. Die Belohnung folgte sogleich: das Treppchen, Altersklassen-Sieg, zweite Frau im Gesamteinlauf, toll, was Du alles kannst !!

Aber will ich das wirklich ?

An diesem denkwürdigen Tag waren für mich die Würfel gefallen: Laufen ja, lange, langsam mit allen Sinnen, das ist mein Ziel.

Kein Trainings-Plan, keine Tempo-Läufe, kein Intervall-Training, keine Hetzerei, nur einfach Laufen, laufen laufen.